Kunstbiennale in Sao Paulo

Als der kongolesische Bildhauer Bodys Kingelez vor zehn Jahren im Haus der Kulturen der Welt in Berlin ausstellte, galt das noch als exotisch. Seitdem hat sich nur in Ansätzen etwas geändert, die große Mehrheit der Künstler aus der Dritten Welt arbeitet weiter außerhalb des Mainstreams. Die 25. Biennale von Sao Paulo steuerte nun kräftig dagegen. «Sie ist die große Gegenspielerin des Eurozentrismus in der bildenden Kunst, wo lange Zeit die Achse New York-Köln tonangebend war», sagt der Deutsche Alfons Hug, erster ausländischer Kurator in der 50-jährigen Geschichte der Biennale.
«Hegemoniales, nordatlantisches und eurozentristisches Denken haben in einer multipolaren Kunstwelt keinen Platz mehr», meint Hug. «Wir haben Wert darauf gelegt, auch solche Länder einzuladen, die bislang außerhalb des Mainstreams lagen», erklärt der 52-Jährige aus dem süddeutschen Hochdorf. Der frühere Leiter der Goethe-Institute in Moskau und Caracas wird künftig das Goethe-Haus in Rio de Janeiro übernehmen. Die Biennale von Sao Paulo, die manchen nach der documenta in Kassel und der Kunstbiennale in Venedig als drittwichtigste internationale Großausstellung gilt, thematisiert diesmal die Metropolen unter dem Motto «Städtische Ikonografien».
Man hat sich dabei nach Hugs Darstellung die Intensivierung des Nord-Süd-Dialogs in der Kunst zum Ziel gesetzt. Tatsächlich nahmen noch nie so viele asiatische und afrikanische Künstler an einer derart wichtigen Schau teil. Insgesamt werden Arbeiten von 190 Künstlern aus 70 Ländern präsentiert. Afrika ist in Sao Paulo unter anderem auch mit einem eigenen Videoschwerpunkt vertreten, der – so Hug – dem «Vorurteil des Low Tech-Kontinents» entgegenwirke.
Allein die Präsenz bei internationalen Großausstellungen ist für die Künstler der Dritten Welt aber kein Maßstab für eine erfolgreiche Aktivität. «Wir Afrikaner haben der so genannten entwickelten Welt viel zu zeigen und viel zu sagen. Das bedeutet aber nicht, dass wir dort ausstellen müssen, um zu beweisen, dass wir am Leben sind», meint stolz Pascale Tayou aus Kamerun. Er schuf für die Biennale eine aus Hundehütten bestehende Stadt, zu der sich bei einem Spaziergang durch Armenviertel Sao Paulos inspirieren ließ. «Ich habe die Kunst der realen Welt hierher in die Biennale gebracht», meint er.
Die Biennale deckt aber auch die Schwierigkeiten der Künstler in ärmeren Ländern schonungslos auf. Wer sich das Kunstwerk des Ecuadorianers Manuel Cholango anschaut, sieht auf den ersten Blick nur ein leeres Zimmer. «Es ist tatsächlich nichts zu sehen, ich will andere Sinne wecken, man soll die Luftzüge im Zimmer spüren», meint der in Berlin lebende Quichua-Indio. Das Werk habe mit der sich stark auf die Winde stützende Weltsicht der Indios Ecuadors zu tun.
Er habe improvisiert, verrät Cholango. Eigentlich habe er eine aus Pferdehaare gebaute Brücke präsentieren wollen, die die Weltsicht seines Volkes im Übergang zwischen Leben und Tod symbolisieren sollte. «Doch ich habe von der Regierung Ecuadors nicht einen Pfennig erhalten. Nach Brasilien bin ich mit dem Geld in der Hosentasche gekommen», erzählt er. Cholango sagt nicht, dass er im Regierungspalast von Quito auch deshalb wenige Freunde hat, weil er die Unterdrückung der Indio-Völker in seiner Arbeit unumwunden anprangert.
Nach Ansicht von Hug ist es nicht unbedingt Aufgabe der Regierungen, die Kunst in ärmeren Ländern zu fördern. «Da ist die Privatinitiative gefordert», meint er. Der anfangs mit Misstrauen beobachtete Deutsche feierte in Brasilien einen Riesenerfolg. Dabei war er im vergangenen Jahr als Krisenmanager angetreten, nachdem der für 2001 geplante Auftakt der 25. Biennale wegen finanzieller Schwierigkeiten und großer Differenzen zwischen seinem Vorgänger und Biennale-Präsidenten Carlos Bratke zwei Mal verschoben werden musste.
Die Kritiken für die Kunstschau waren gut. In gut anderthalb Monaten besuchten rund 400 000 Interessenten die Ausstellung in den von Oscar Niemeyer konzipierten Kunstpavillons im Ibirapuera-Park. Bis zum Ende der Schau am 2. Juni soll die Rekordmarke von 500 000 Besuchern erreicht werden. Bei einem Eintrittspreis von umgerechnet sechs Euro eine stolze Zahl – vor allem in einem Land, in dem 80 Prozent der Arbeiter monatlich mit einem Mindestgehalt von 90 Euro auskommen müssen.
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